• VORSCHAU

    Petra Lindenbauer

    CONTAINING

    Eröffnung 15.10.2026, 18:00
    16. Oktober bis 30. Oktober

    Dienstag bis Sonntag 15:00 – 18:30 und nach Vereinbarung

    Petra LIndenbauer, White Porcelain Containers, 2026, Foto: © P. Lindenbauer
    Petra LIndenbauer, White Porcelain Containers, 2026, Foto: © P. Lindenbauer

    Mit der Entstehung eines Gefäßes öffnet sich zugleich ein Raum. Form und Leere bedingen einander, erst die Begrenzung macht das Innere erfahrbar und schafft die Möglichkeit, etwas aufzunehmen und zu bewahren.

    CONTAINING richtet den Blick auf das Verhältnis von Form, Raum, Bewegung und Zeit. Was sich im Entstehungsprozess ereignet, kann in der Form als Spur erhalten bleiben: die Bewegung der Hände, eine Geste, eine Berührung, eine Bewegung des Materials. Flüchtiges wird sichtbar und erhält Dauer.

    In den keramischen Arbeiten von Petra Lindenbauer wird der Entstehungsprozess in der fertigen Form spürbar. Die Arbeiten bewegen sich zwischen Begrenzung und Offenheit, zwischen dem Geformten und dem noch Wahrnehmbaren des Entstehens. Das Innere wird ebenso bedeutsam wie die äußere Form: als Raum, der etwas aufnimmt und zugleich offen bleibt. So wird Form zum Träger von Bewegung, Zeit und Handlung.

    CONTAINING begreift das Gefäß als einen Ort des Haltens und Bewahrens. Etwas aufzunehmen bedeutet, ihm Raum zu geben, sei es Materie, Bewegung, Nähe oder Erinnerung. Die Form wird so zu einem Ort, an dem sich das Flüchtige festhalten lässt.

    Petra Lindenbauer lebt und arbeitet seit 2006 in Stadtschlaining im Südburgenland.
    Seit 2010 führt sie dort ein Atelier und eine Galerie für zeitgenössische Keramik.

    Neben freien keramischen Arbeiten entstehen in ihrem Atelier auch Tableware, Foodstyling sowie Kleinserien für die gehobene Gastronomie und Hotellerie, darunter Kooperationen mit dem Restaurant Steirereck Wien und Designhotels wie dem Wiesergut in Hinterglemm. Dabei arbeitet sie regelmäßig mit FotografInnen, FoodstylistInnen und KochbuchautorInnen zusammen.

    Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie von 1983 bis 1987 an der Ortweinschule Graz im Höheren Lehrgang für bildnerische Gestaltung mit Schwerpunkt keramische Formgebung. 1998 schloss sie zudem ihr Diplomstudium der Kunstgeschichte und Klassischen Archäologie an der Universität Wien ab.

    Petra Lindenbauer ist eine der führenden KeramikkünstlerInnen Österreichs, nahm und nimmt an zahlreichen Ausstellungen und Symposien im In- und Ausland teil.

    Die Ausstellung gibt einen Einblick in ihr aktuelles Schaffen.

    CONTAINING

    October 16 to November 30
    Opening: October 15, 2026, 6:00 PM


    Tuesday to Sunday, 3:00 PM – 6:30 PM, and by appointment

    With the creation of a vessel, a space comes into being. Form and emptiness are interdependent, it is the boundary of the form that makes the interior perceptible and creates the possibility of holding and preserving something within.

    CONTAINING explores the relationship between form, space, movement and time. What takes place during the making process can remain present in the finished form as a trace: the movement of the hands, a gesture, a touch, a movement of the material itself. What is fleeting becomes visible and acquires duration.

    In Petra Lindenbauer’s ceramic works, the process of making remains perceptible in the finished form. Her works move between containment and openness, between what is fully formed and what still reveals something of its becoming. The interior is as significant as the exterior form: a space that holds something while remaining open. In this way, form becomes a carrier of movement, time and action.

    CONTAINING understands the vessel as a place of holding and preserving. To contain something means to give it space, whether matter, movement, closeness or memory. Form thus becomes a place where the fleeting can be held.

    Petra Lindenbauer has lived and worked in Stadtschlaining in southern Burgenland since 2006. Since 2010, she has run a studio and gallery for contemporary ceramics there.

    In addition to her own ceramic works, her studio also produces tableware, food styling, and small series for upscale restaurants and hotels, including collaborations with the Steirereck restaurant in Vienna and design hotels such as the Wiesergut in Hinterglemm. She regularly collaborates with photographers, food stylists, and cookbook authors.

    She received her artistic education from 1983 to 1987 at the Ortweinschule Graz in the advanced course for visual arts, specializing in ceramic design. In 1998, she also completed her diploma in art history and classical archaeology at the University of Vienna.

    Petra Lindenbauer is one of Austria’s leading ceramic artists and has participated in numerous exhibitions and symposia both in Austria and abroad.

    This exhibition offers an insight into her current work.


  • VORSCHAU

    Almut Rink / Leung Chi Wo

    The quiet and what happens at once

    Almut Rink, Detail / Bias, 2024, ink on paper, Foto © Almut Rink
    Almut Rink, Detail / Bias, 2024, ink on paper, Foto © Almut Rink
    Screening of Bruce Lee’s Fist of Fury at Odeon Hounslow, London, 18 December 1973, archival pigment print, 52 x 82 cm, 2023 © Leung Chi Wo
    Leung Chi Wo ‚The Date Series‘
    Screening of Bruce Lee’s Fist of Fury at Odeon Hounslow, London, 18 December 1973,
    archival pigment print, 52 x 82 cm, 2023 © Leung Chi Wo

    Between that sky and this one

    The quiet and what happens at once / von Almut Rink und Leung Chi Wo

    von Natalia Gurova

    Zwischen jenem und diesem Himmel liegen 50 Jahre, auch wenn man es ihm nicht gleich ansieht. In der Ausstellung The quiet and what happens at once begegnen sich Almut Rink und Leung Chi Wo – zwei Künstler:innen, die sich auf den ersten Blick in völlig unterschiedlichen Dimensionen zu bewegen scheinen.
    Mit Performances, Interventionen im öffentlichen Raum und der Arbeit mit dem Körper spricht Rink weniger über Politik, als dass sie einen politischen Akt schafft und durchlebt. Ihre auf Papier mit Tusche und Alkohol ausgeführte Zeichnungsserie INFUSIONS erlaubt dem Material selbst zu agieren und Körperwissen, den Moment und die Geste als Spur von Präsenz anzuerkennen, um eine körperlich-sinnliche Erfahrung gleichberechtigt neben kognitives Denken zu stellen und die Art, wie wir zueinander in Beziehung treten, zu transformieren.

    In ihrer künstlerischen Praxis und Forschung bezieht sich Rink auf Denktraditionen und historische Gestaltungssysteme, darunter auch auf das asiatische Prinzip der Acht Ansichten. Auch Hokusais Serie 36 Ansichten des Berges Fuji geht auf diese Tradition zurück. Es geht dabei weder um Himmelsrichtungen noch um mathematische Berechnungen, sondern um Möglichkeiten, ein und dasselbe aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten: Tag und Nacht, Mensch und Pflanze, das Spirituelle und das Materielle. So lässt sich ein Spektrum von Erscheinungen vervielfachen, auch um Raum für Ambivalenzen zu öffnen. 

    Bei unserem Treffen spricht Almut Rink über den Künstler und Malereitheoretiker Shitao aus dem 17. Jahrhundert. Er beschrieb die Bewegung des Pinsels als etwas, das mit einem universellen Atem verbunden ist. Wir schreiben, wie wir atmen. Rink denkt darüber nach, wie sich diese Idee in eine zeitgenössische Praxis des Zeichnens übertragen lässt – hier und jetzt. Sie beginnt in einer Frage mit minimalen Eingriffen, lässt den Dingen ihren Lauf, beobachtet das Verhalten der Materialien und versucht, im richtigen Moment aufzuhören, anstatt den Prozess vollständig zu kontrollieren. 

    Man kann über die Zeit sprechen, in der man lebt, oder sich mithilfe von Zeitungsausschnitten und privaten Archiven an die Vergangenheit erinnern.
    Man kann sich Ereignisse ins Gedächtnis rufen und versuchen, sich daran zu erinnern, was man an jenem Tag getan hat, als …
    Man ging Brot kaufen, verschüttete heißen Tee über die neue Hose, verpasste einen Zug, weil man sich verliebt hatte.
    Man kann ein wichtiges Datum aus dem Kalender nehmen und auf die Straße gehen, genau den Ort finden, an dem dieses Datum einst wichtig wurde, die Kamera heben und den Himmel über sich fotografieren.

    Erinnerung ist eine Form des persönlichen Widerstands gegen die Geschichte. So beschreibt der Hongkonger Künstler Leung Chi Wo seine Haltung. In Wien zeigt er zehn Arbeiten aus seiner fortlaufenden Serie the Date Series, in der sich bedeutende historische Ereignisse – etwa die Proteste und Unruhen von 1967 in Hongkong – eng mit auf den ersten Blick zufälligen Begebenheiten aus dem Alltag der Stadt verweben. Gerade diese paradoxe Verbindung hinterlässt das Gefühl, etwas Wichtiges über dieses Leben verstanden zu haben – und zugleich etwas, das sich nicht ganz greifen lässt.

    Almut Rink beginnt mit einer Frage und lässt sich in radikaler Offenheit überraschen, wohin sie führen wird. Die Tusche breitet sich aus, das Papier wirft Falten; die Zeichnung braucht Zeit, um Gestalt anzunehmen. Leung Chi Wo hingegen tritt mit seiner Kamera in das Archiv hinein – an einen konkreten Ort, zu einer konkreten Zeit – und findet sich in einem Feld unendlicher Fakten wieder, in dem ihm immer wieder der Zufall und die Unmöglichkeit begegnen, ein vollständiges Bild der Vergangenheit zu rekonstruieren.

    An einem bestimmten Punkt treffen sich die Ansätze der beiden Künstler:innen, als würden sie zu einem Echo des jeweils anderen. Bewegung schafft eine Situation, die Situation wird zum Fakt, Fakten werden zu Geschichte, und unser Verhältnis zu ihr wird zur Erinnerung.

    Doch zwischen dem Himmel von gestern und dem Himmel von heute können 50 Jahre liegen. Auch wenn man es ihnen nicht gleich ansieht.

    Als wäre all das gleichzeitig geschehen.

    Biografien

    Natalia Gurova, in Belarus geboren, lebt und arbeitet seit 2014 in Wien als bildende Künstlerin und Verfasserin von Texten. Sie schreibt Geschichten und Gedichte die unter anderem bei, wie folgt, veröffentlicht wurden: kupf.at, Kiosk, Hugo Zorn, springerin, OSZE, Office Ukraine.
    Von 2018 bis 2025 studierte sie Objekt-Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Julian Goethe. Für ihr Diplomprojekt erhielt sie den Würdigungspreis der Akademie. Ihre Werke wurden unter anderem bei der Vienna Art Week, der Vienna Design Week, der wienwoche, bei Parallel Vienna, im Österreichischen Kulturforum London, im Queer Museum im Österreichischen Museum für Volkskunde, im Belvedere 21 sowie im musa (Wien Museum) ausgestellt.

    Between that sky and this one

    The quiet and what happens at once / by Almut Rink and Leung Chi Wo

    by Natalia Gurova

    Fifty years lie between that sky and this one, though you wouldn’t know it just by looking. The Quiet and What Happens at Once brings together Almut Rink and Leung Chi Wo, two artists who, at first glance, seem to work in entirely different dimensions. Through performance, interventions in public space, and work with the body, Rink does not so much speak about politics as create and inhabit a political act. Her series of drawings INFUSIONS, made on paper with ink and alcohol, is about allowing the material to act, while acknowledging bodily knowledge, the moment, and the gesture as traces of presence—thereby placing a physical, sensory experience on equal footing with cognitive thought and transforming the way we relate to one another.

    In her artistic practice and research, Rink draws on artistic traditions and historical composition systems, including the Asian principle of the Eight Views. Hokusai’s series Thirty-six Views of Mount Fuji, for example, emerged from this tradition. These are not points of the compass, nor a mathematical calculation, but different ways of looking at the same thing: day and night, human and plant, the spiritual and the material. Together, they allow for a broad spectrum of phenomena to come into view, also to open up space for ambivalence.

    During our conversation, she speaks about the seventeenth-century artist and painting theorist Shitao. He described the movement of the brush as something connected to a universal breath. We write as we breathe. Rink began to wonder how this idea might be translated into a contemporary practice of drawing — here and now. She begins with a question, making minimal interventions, letting things take their course, observing the behaviour of the materials, and trying to stop at the right moment rather than fully controlling the process. 

    You can speak about the time you live in, or you can remember the past through newspaper clippings and family archives.
    You can recall events and try to remember what you were doing on the day when…
    You went out to buy bread, spilled hot tea on your new trousers, missed a train because you fell in love.
    You can take an important date from the calendar and step outside, find the very place where that date once became important, raise your camera, and photograph the sky above.

    Memory is a form of personal resistance to history. This is how Hong Kong artist Leung Chi Wo describes his position. In Vienna, he presents ten works from his ongoing the Date Series, in which significant historical events — such as the protests and riots of 1967 in Hong Kong — become closely intertwined with seemingly random facts from the city’s everyday life. It is precisely this paradoxical conjunction that leaves you with the feeling that you have understood something important about this life, and yet something that remains elusive.

    Almut Rink begins with a question and, with radical openness, allows herself to be surprised by where it will lead her. The ink spreads, the paper wrinkles; the drawing needs time to take shape. Leung Chi Wo, by contrast, steps with his camera into the archive — into a specific place at a specific time — only to find himself in an endless field of facts, where chance and the impossibility of reconstructing a complete picture of the past keep revealing themselves.

    At some point, the two artists’ approaches meet, as though becoming echoes of one another. Movement creates a situation, a situation becomes a fact, facts become history, and our relationship to history becomes memory.

    But fifty years can pass between yesterday’s sky and the sky today. You wouldn’t know it just by looking.

    As if it all happened at once.

    Natalia Gurova, born in Belarus, has been living and working in Vienna since 2014 as a visual artist and writer. She writes stories and poems that have been published in the following outlets, among others: kupf.at, Kiosk, Hugo Zorn, springerin, OSCE, and Office Ukraine.
    From 2018 to 2025, she studied object sculpture at the Academy of Fine Arts Vienna under Julian Goethe. She received the Academy’s Honorable Mention Award for her diploma project. Her works have been exhibited at Vienna Art Week, Vienna Design Week, wienwoche, Parallel Vienna, the Austrian Cultural Forum in London, the Queer Museum at the Austrian Museum of Folk Life and Folk Art, Belvedere 21, and musa (Vienna Museum), among other venues.


  • VORSCHAU

    Zwischenraum und das darin

    Eröffnung: 10. Jänner 2027, 16:00 / doors open 15:00

    11. Jänner bis 12. Februar 2027
    Mo – Fr / 13:00 – 18:00

    Andrea Maria Krenn, Anya Triestram,
    Christian Hutzinger, Tom Marseiler

    Christian Hutzinger
Ohne Titel (CH 26/2021)
Acryl auf Leinwand
70 x 70 cm
Foto: Lukas Dostal
©️ Christian Hutzinger & Bildrecht Wien

    Christian Hutzinger, Ohne Titel (CH 26/2021)
    Acryl auf Leinwand, 70 x 70 cm
    Foto: Lukas Dostal ©️ Christian Hutzinger & Bildrecht Wien

    Zwischenraum und das darin verweist auf einen Bereich, der sich einer unmittelbaren Festlegung entzieht. Zwischenräume werden häufig als Leerstellen verstanden – als das, was noch nicht besetzt oder gestaltet ist. Die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten definieren sie jedoch als aktive Zonen der Wahrnehmung. Sie strukturieren Beziehungen, erzeugen Spannung und ermöglichen Nähe und Distanz.

    Die Arbeiten von Anna Maria Krenn, Anya Triestram, Christian Hutzinger und Tom Marseiler begegnen einander in dieser Offenheit. Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen teilen sie ein Interesse an Verdichtung durch Reduktion, an der Wirksamkeit der unscheinbaren ‚Leerstelle‘ und an einer Form von Präsenz, die nicht durch Behauptung entsteht, sondern durch Aufmerksamkeit.

    In der japanischen Ästhetik ist Ma ein zentraler Begriff. Er beschreibt den bewusst gestalteten „Zwischenraum“ – also das, was nicht sichtbar oder nicht gefüllt ist. Anders als das westliche Verständnis von Leere als Abwesenheit oder Mangel begreift Ma den leeren Raum als bedeutungstragendes Element. Erst durch ihn treten Dinge in Beziehung zueinander und entfalten ihre Wirkung.

    In Kunst, Architektur, Musik und im Alltag zeigt sich Ma in Pausen, Stille und Abständen. Diese bewusst gesetzten Leerstellen eröffnen den Betrachtenden oder Zuhörenden Raum für eigene Wahrnehmungen und Bedeutungen. Ma beschreibt somit nicht die Abwesenheit von Inhalt, sondern eine besondere Form der Präsenz: den negativen Raum, der Objekte miteinander verbindet, ihre Eigenständigkeit hervorhebt und Spannung entstehen lässt – er folgt keiner strengen Symmetrie, sondern einer dynamischen Balance, die sich von den häufig geometrisch geordneten Konzepten des europäischen Minimalismus unterscheidet.

    Es wird der Zwischenraum selbst – weder leer noch passiv – zu einem Feld, in dem sich Verbindungen herstellen, Assoziationen bilden und neue Beziehungen zwischen Werk, Raum und BetrachterIn entfalten können.