planetfall – unfixed ground

Eröffnung: 12. April 2026, 17:30
doors open ab 16:00
13. April bis 22. Mai 2026

Lisa Reiter / Edda Strobl / Simon Goritschnig / Daniel Hafner

Lisa Reiter, Detail aus panel 1, 2023, je 62 x 220 x 10 cm
Styrodur, Staub, Schmutz, Beilagscheiben, Foto © Lisa Reiter

Die Eröffnung von PLANET H mit planetfall – unfixed ground markiert eine erste Landung. Der Titel der Ausstellung trägt den Namen des neuen Kunstraums in sich und begreift planetfall als Aufsetzen auf einem Boden, der noch nicht verfestigt ist. Der Begriff stammt aus der Science-Fiction und bezeichnet den Moment, in dem ein Raumschiff erstmals auf einem fremden Planeten landet.

Die Künstler:innen Lisa Reiter, Edda Strobl, Simon Goritschnig und Daniel Hafner begegnen diesem planetfall aus unterschiedlichen Perspektiven. Ihre Arbeiten untersuchen Zustände und Spuren des Übergangs, verschieben Koordinaten und Denkmuster. Materialien erscheinen fragil oder experimentell, die künstlerischen Statements in ihrer Momentaufnahme suggerieren Prozess. Der Boden, auf dem wir stehen – physisch wie gesellschaftlich – zeigt sich dabei weniger als stabile Grundlage denn als etwas, das sich fortwährend verändert.

In einer Zeit, in der Sicherheiten brüchig wirken und neue Herangehensweisen gefragt sind, versteht sich planetfall – unfixed ground als Versuch, das Ungefestigte als Möglichkeitsraum zu begreifen.

PLANET H eröffnet damit einen Ort, der nicht danach strebt, Konstantes zu definieren, sondern Raum schafft für Erkundung, Austausch und das gemeinsame Austarieren neuer Standpunkte.

Lisa Reiter / Edda Strobl / Simon Goritschnig /Daniel Hafner 

KünstlerInnen

Lisa Reiter wurde 1994 in Grieskirchen (Oberösterreich) geboren und lebt und arbeitet in Wien.

Sie studiert an der Kunstuniversität Linz in der Abteilung Plastische Konzeptionen / Keramik (MA) sowie in der Klasse für Ortsbezogene Kunst (Diplom) an der Universität für angewandte Kunst Wien.

2021 erhielt Lisa Reiter den Morgenstern-Preis des Landes Steiermark. 2025 war sie für das Ö1 Talentstipendium nominiert und wurde mit dem Linzer Soroptimist-Künstlerinnenpreis ausgezeichnet. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in Österreich, Zagreb, Berlin und Budapest gezeigt.

In ihrer Arbeit beobachtet Lisa Reiter subtile Grenzbereiche zwischen privatem und öffentlichem Raum und analysiert soziale sowie physische Grenzen in abstrakten wie konkreten Raumsituationen. Ihr Interesse gilt der Frage, wie Räume im erweiterten Sinn Realität und Utopie formen und wie sich Umgebung in ihren Arbeiten manifestiert.

Spuren menschlicher Interaktion – also Zeichen vorheriger Nutzung – bezieht sie als gleichwertigen Bestandteil in ihre Werke ein. So werden etwa in panels 2023 Dämmplatten aus Styrodur, die über viele Jahre unverkleidet, fragil und verletzlich an einem Haus angebracht waren, abgetragen. Von Unbekannten beschriebene und bearbeitete Platten, die über Jahre Witterung und Ereignissen rund um das Gebäude ausgesetzt waren, werden als Skulpturen ins Innere überführt und in einen neuen, im Prozess eingefrorenen, Zusammenhang gestellt.

Lisa Reiters Arbeiten zeichnen sich durch einen präzisen Blick auf ihre Umgebung sowie durch Respekt und Sensibilität im Umgang mit Material und Kontext aus.

Edda Strobl, 1962 in Graz geboren, studierte nach Jahren in der Schweiz und in Kärnten Kunstgeschichte und Philosophie in Graz sowie Möbelrestaurierung (Diplom) in Florenz. Sie lebt und arbeitet in Graz.

Von 2007 bis 2010 war sie Kuratorin für Comics und verwandte Kunstformen im Programmforum des Forum Stadtpark Graz. Ihre Arbeiten werden seit 1991 im In- und Ausland gezeigt.

Edda Strobl ist eine vielseitig tätige Künstlerin: Zeichnerin, Musikerin und Verlegerin. Sie bezeichnet sich selbst als zeichnende Künstlerin mit einer Vorliebe für narrative Strukturen. 1999 veröffentlichte sie ihre ersten Comics und leitet bis heute gemeinsam mit Helmut Kaplan und Michael Jordan den Verlag TONTO COMICS.

Im Zentrum ihrer Arbeit steht das Sammeln von Material, das sie im Rahmen ihrer Projekte zur Darstellung des gegenwärtigen Weltzustands nutzt. Dieses Material bildet die Grundlage für Comics, Zeichnungen, Serien und Montagen für Drucksachen (Siebdruck, Risographie, Linolschnitt) sowie für Gemälde, Installationen und Performances in Ausstellungen.

Schabkarton als Zeichenmaterial war für Edda Strobl 2024 eine zufällige Entdeckung – zu einem Zeitpunkt, an dem die dem Material zugrunde liegenden Eigenschaften ein Freilegen von Verdecktem möglich machten.

Bei den hier gezeigten Schabkartonblättern entscheidet Strobl präzise, wie viel sie preisgibt: welche verdeckten Welten, Gedanken und Einblicke sie freilegt oder bedeckt hält. Sie ist sparsam mit Informationen und lässt die BetrachterInnen oft im Ungewissen, wie das Bild – Erlösung oder Horror – unter der Oberfläche weitergeht.

Ihre Arbeit daran bezeichnet sie als Eskapismus: als Flucht in einen Nicht-Raum hinter dem interstellaren Raum – oder in ein zukünftiges Erdzeitalter jenseits des Holozäns, wie sie es sich vorstellt.

Simon Goritschnig, 1988 in Klagenfurt / Österreich geboren und lebt und arbeitet seit 2008 in Wien. 2015 schloss er sein Studium der Grafik und Druckgrafik an der Universität für angewandte Kunst Wien ab; für sein Diplom wurde er mit dem Ernst-Beranek-Stipendium ausgezeichnet. 2018 erhielt er das Arbeitsstipendium der Stadt Klagenfurt in Paris, 2024 das Jahresstipendium für Bildende Kunst des Landes Kärnten. Seit 2023 unterrichtet er Zeichnung und digitale Medien an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seine Arbeiten wurden in Österreich, Portugal, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Polen und China ausgestellt. Aktuell erhält er das Staatsstipendium für Medienkunst vom Land Österreich.

Die drohende Zerstörung der Erde, das Zeitalter der Weltraumkolonisation und die biopolitischen Fragen rund um die Erschaffung künstlichen Lebens zählen zu den zentralen Einflüssen von Simon Goritschnig. Seine Arbeiten begreift er dabei als eine Form von World-Building: ein vernetztes System, in dem alles mit allem verbunden ist. Wie ein Organismus bestehen die einzelnen Teile für sich, entfalten ihre Bedeutung jedoch erst im Zusammenspiel. Er arbeitet mit einem breiten Spektrum an Techniken – von traditioneller Zeichnung über Skulptur bis hin zu Game Art.

In seinen mehrteiligen Bilderzyklen und raumgreifenden Installationen verbindet er Biologie, Mythologie und Science Fiction zu einer Symbiose aus Dystopie und Techno-Schamanismus. Seine Installationen werden zu archäologischen Szenarien, in denen Objekte, Zeichnungen und Alltagsfunde wie Relikte einer möglichen Zukunft erscheinen. Seine Arbeit ist ein Spiegel unserer Zeit: Simon Goritschnig möchte sich nicht zwischen Höhlenmalerei und Virtual Reality entscheiden – für ihn gehört beides untrennbar zusammen.

Daniel Hafner, geboren 1979, wuchs im östlichen Vorland der Koralm auf, umgeben von Natur. Mitte der 1990er-Jahre begann er mit Sound zu experimentieren, spielte mit seinen Brüdern zahlreiche Konzerte und veröffentlichte mehrere Alben.
Später studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien Digitale Medien, Bildhauerei und Kunst im öffentlichen Raum. Nach seiner ersten Einzelausstellung 2012 in der österreichischen Frederick und Lillian Kiesler Privatstiftung war Hafner in zahlreichen Gruppenausstellungen und Festivals in weiten Teilen Europas vertreten, zuletzt 2025 im Sigmund Freud Museum in Wien.
In seinen ortsbezogenen Performances experimentiert er häufig mit Fundstücken und manuell ausgeführten Algorithmen. Eine wiederkehrende Praxis ist das Zeichnen: Es verbindet seine zweidimensionalen Arbeiten mit Videos und Performances. Hafner lebt und arbeitet in Wien.

Das für die Baubranche erzeugte Recyclingmaterial besteht aus industriell zerkleinerten Altkleidern, die zu einem Vlies verarbeitet werden. In diesem Downcycling-Prozess verbinden sich natürliche und synthetische Fasern – etwa Baumwolle, Schafwolle, Polyamid oder Polyester – unumkehrbar zu einem neuen, minderwertigeren Material. Betrachtet man einzelne Fasern und ihre Geschichte von der Herstellung bis zur Nutzung als Kleidungsstück, eröffnet das Vlies einen Kosmos aus Reisen und Erzählungen.

In seinen zeichnerischen Konzeptionen richtet Daniel Hafner den Blick häufig auf das Kleine im Großen und das Langsame im Schnellen. Viele Serien entstehen zunächst am digitalen Arbeitsplatz, der im Unterschied zum Analogen eine nahezu unbegrenzte Zeichenfläche sowie das Skalieren und Vervielfältigen von Formen erlaubt.
Wie Fasern im Vlies unter dem Mikroskop schweben, bewegen sich auch grafische Grundelemente wie Linie oder Fläche auf dem Bildschirm in einem scheinbar grenzenlosen Raum. Die vektorbasierten Sujets werden anschließend händisch auf das Vlies übertragen – ein deutlich langsamerer Prozess. So überlagern sich im Bild schnelle und langsame, mikro- und makroskopische Vorgänge.

Linien entstehen durch das Einarbeiten von Wollfäden mit der Filznadel, Flächen werden mit der Stanznadel geknüpft. Die Arbeit mit klassischen Textilwerkzeugen verweist zugleich auf die oft unsichtbare Handarbeit der Textilindustrie.

Lisa Reiter was born in 1994 in Grieskirchen (Upper Austria) and lives and works in Vienna.

She is studying at the University of Art and Design Linz in the Department of Sculptural Concepts/Ceramics (MA) and in the class for Site-Specific Art (Diploma) at the University of Applied Arts Vienna.

In 2021, Lisa Reiter received the Morgenstern Prize of the State of Styria. In 2025, she was nominated for the Ö1 Talent Scholarship and was awarded the Linz Soroptimist Artist Prize. Her work has been exhibited in Austria, Zagreb, Berlin, and Budapest, among other places.

In her work, Lisa Reiter observes subtle boundaries between private and public space and analyzes social and physical limits in both abstract and concrete spatial situations. She is interested in how spaces, in a broader sense, shape reality and utopia, and how the environment manifests itself in her work.

She incorporates traces of human interaction—that is, signs of previous use—as an equally important element in her works. In the work ‚panels 2023,‘ for example, Styrodur insulation panels, which had been exposed, fragile, and vulnerable to damage for many years, are removed. Panels written on and altered by unknown individuals, and exposed to the elements and events surrounding the building for years, are transformed into sculptures and placed inside, frozen in a new context.

Lisa Reiter’s work is characterized by a precise observation of her surroundings and by respect and sensitivity in her handling of materials and context.

Edda Strobl, born in Graz in 1962, studied art history and philosophy in Graz after years in Switzerland and Carinthia, and furniture restoration (graduating with a diploma) in Florence. She lives and works in Graz.

From 2007 to 2010, she was curator for comics and related art forms at the Forum Stadtpark Graz. Her work has been exhibited both nationally and internationally since 1991.

Edda Strobl is a versatile artist: illustrator, musician, and publisher. She describes herself as a graphic artist with a predilection for narrative structures. In 1999, she published her first comics and continues to co-direct the publishing house TONTO COMICS with Helmut Kaplan and Michael Jordan.

In the center of her work is the collection of material, which she uses in her projects to depict the current state of the world. This material forms the basis for comics, drawings, series, and montages for printed materials (screen printing, risography, linocut), as well as for paintings, installations, and performances in exhibitions.

For Edda Strobl, scratchboard as a drawing material was a serendipitous discovery in 2024—at a time when the material’s inherent properties made it possible to reveal what was hidden.

In the scratchboard sheets shown here, Strobl precisely decides how much she discloses: which hidden worlds, thoughts, and insights she exposes or keeps concealed. She is sparing with information and often leaves viewers uncertain about how the image—redemption or horror—continues beneath the surface.

She describes her work on this as escapism: an escape into a non-space beyond interstellar space—or into a future geological epoch beyond the Holocene, as she imagines it.

Simon Goritschnig was born in Klagenfurt, Austria, in 1988 and has lived and worked in Vienna since 2008. In 2015, he graduated from the University of Applied Arts Vienna with a degree in Graphic Arts and Printmaking, for which he received the Ernst Beranek Scholarship. In 2018, he was awarded a working grant from the City of Klagenfurt in Paris, and in 2024, the annual grant for Fine Arts from the State of Carinthia. Since 2023, he has taught drawing and digital media at the University of Applied Arts Vienna. His work has been exhibited in Austria, Portugal, France, Great Britain, Sweden, Poland, and China. He currently receives the Austrian State Grant for Media Arts.

The looming destruction of the Earth, the age of space colonization, and the biopolitical questions surrounding the creation of artificial life are among Simon Goritschnig’s central influences. He understands his work as a form of world-building: a networked system in which everything is connected to everything else. Like an organism, the individual parts exist independently, yet only unfold their meaning in their interplay. He works with a wide range of techniques – from traditional drawing and sculpture to game art.

In his multi-part series of paintings and expansive installations, he combines biology, mythology, and science fiction into a symbiosis of dystopia and techno-shamanism. His installations become archaeological scenarios in which objects, drawings, and everyday finds appear as relics of a possible future. His work is a mirror of our time: Simon Goritschnig refuses to choose between cave painting and virtual reality – for him, the two are inextricably linked.

Daniel Hafner, born in 1979, grew up in the eastern foothills of the Koralm mountain range, surrounded by nature. In the mid-1990s, he began experimenting with sound, performing numerous concerts with his brothers and releasing several albums.
Later, he studied digital media, sculpture, and public art at the Academy of Fine Arts Vienna. Following his first solo exhibition in 2012 at the Austrian Frederick and Lillian Kiesler Private Foundation, Hafner’s work has been featured in numerous group exhibitions and festivals across Europe, most recently at the Sigmund Freud Museum in Vienna in 2015. In his site-specific performances, he frequently experiments with found objects and manually executed algorithms. Drawing is a recurring practice, connecting his two-dimensional works with videos and performances. Hafner lives and works in Vienna.

The recycled material produced for the construction industry consists of industrially shredded used clothing processed into a nonwoven fabric. In this downcycling process, natural and synthetic fibers—such as cotton, sheep’s wool, polyamide, or polyester—are irreversibly combined to create a new, lower-grade material. Looking at individual fibers and their history, from production to use as a garment, the nonwoven fabric opens up a cosmos of journeys and narratives.

In his graphic concepts, Daniel Hafner often focuses on the small within the large and the slow within the fast. Many series are initially created on a digital workspace, which, unlike analog workspaces, allows for a virtually unlimited drawing area as well as the scaling and duplication of forms.
Just as fibers in the nonwoven fabric appear to float under a microscope, basic graphic elements such as lines or shapes move on the screen in a seemingly boundless space. The vector-based designs are then transferred manually onto the nonwoven fabric—a considerably slower process. Thus, fast and slow, microscopic and macroscopic processes overlap in the image.

Lines are created by working wool threads with a felting needle, while surfaces are knotted with a punching needle. The use of traditional textile tools also alludes to the often invisible handwork of the textile industry.