Zwischenraum und das darin

Eröffnung: 10. Jänner 2027, 16:00 / doors open 15:00

11. Jänner bis 12. Februar 2027
Mo – Fr / 13:00 – 18:00

Andrea Maria Krenn, Anya Triestram,
Christian Hutzinger, Tom Marseiler

Christian Hutzinger
Ohne Titel (CH 26/2021)
Acryl auf Leinwand
70 x 70 cm
Foto: Lukas Dostal
©️ Christian Hutzinger & Bildrecht Wien

Christian Hutzinger, Ohne Titel (CH 26/2021)
Acryl auf Leinwand, 70 x 70 cm
Foto: Lukas Dostal ©️ Christian Hutzinger & Bildrecht Wien

Zwischenraum und das darin verweist auf einen Bereich, der sich einer unmittelbaren Festlegung entzieht. Zwischenräume werden häufig als Leerstellen verstanden – als das, was noch nicht besetzt oder gestaltet ist. Die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten definieren sie jedoch als aktive Zonen der Wahrnehmung. Sie strukturieren Beziehungen, erzeugen Spannung und ermöglichen Nähe und Distanz.

Die Arbeiten von Anna Maria Krenn, Anya Triestram, Christian Hutzinger und Tom Marseiler begegnen einander in dieser Offenheit. Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen teilen sie ein Interesse an Verdichtung durch Reduktion, an der Wirksamkeit der unscheinbaren ‚Leerstelle‘ und an einer Form von Präsenz, die nicht durch Behauptung entsteht, sondern durch Aufmerksamkeit.

In der japanischen Ästhetik ist Ma ein zentraler Begriff. Er beschreibt den bewusst gestalteten „Zwischenraum“ – also das, was nicht sichtbar oder nicht gefüllt ist. Anders als das westliche Verständnis von Leere als Abwesenheit oder Mangel begreift Ma den leeren Raum als bedeutungstragendes Element. Erst durch ihn treten Dinge in Beziehung zueinander und entfalten ihre Wirkung.

In Kunst, Architektur, Musik und im Alltag zeigt sich Ma in Pausen, Stille und Abständen. Diese bewusst gesetzten Leerstellen eröffnen den Betrachtenden oder Zuhörenden Raum für eigene Wahrnehmungen und Bedeutungen. Ma beschreibt somit nicht die Abwesenheit von Inhalt, sondern eine besondere Form der Präsenz: den negativen Raum, der Objekte miteinander verbindet, ihre Eigenständigkeit hervorhebt und Spannung entstehen lässt – er folgt keiner strengen Symmetrie, sondern einer dynamischen Balance, die sich von den häufig geometrisch geordneten Konzepten des europäischen Minimalismus unterscheidet.

Es wird der Zwischenraum selbst – weder leer noch passiv – zu einem Feld, in dem sich Verbindungen herstellen, Assoziationen bilden und neue Beziehungen zwischen Werk, Raum und BetrachterIn entfalten können.

KünstlerInnen

Andrea Maria Krenn, 1974 in Tittling/Deutschland geboren, lebt und arbeitet seit 2005 in Wien.

Nach einer Keramiklehre an der Staatlichen Keramikfachschule Landshut studierte sie Malerei und Grafik an der Kunstuniversität Linz bei Ursula Hübner und schloss ihr Studium 2004 mit Auszeichnung ab. Es folgten Studien bei Heimo Zobernig in der Klasse für Textuelle Bildhauerei sowie von 2017 bis 2020 das Lehramtsstudium am IKL der Akademie der bildenden Künste Wien (BEd Kunst & Gestaltung / Technik & Design).

Neben ihrer künstlerischen Praxis war Krenn auch kuratorisch tätig, unter anderem für die Ausstellungsserie „unORTnung“ sowie für das KÖR- und Bezirksprojekt am Fritz-Grünbaum-Platz mit dem Siegerprojekt „Revue“ von Wendelin Pressl. Zudem war sie Teil der Künstlerinnengruppe „copyshop“.

Ihre Arbeit wurde durch zahlreiche Preise, Stipendien und Sammlungsankäufe gewürdigt, darunter die Talentförderungsprämie der Stadt Linz, ein Auslandsatelier an der Cité internationale des Arts in Paris sowie das Staatsstipendium für Bildende Kunst. Ihre Werke waren in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Wien, Berlin, Leipzig, Paris und Budapest zu sehen.

Im Zentrum von Andrea Maria Krenns künstlerischer Praxis steht die Auseinandersetzung mit architektonischen und poetischen Räumen sowie mit den Zuständen von Reduktion, Leere, Abwesenheit und Stille. In subtilen Materialsetzungen, Schichtungen und Verdichtungen eröffnet sie Räume, in denen sich Fragilität, Erinnerung und Imagination überlagern. Ihre Arbeiten bewegen sich dabei zwischen Ordnung und Auflösung und verhandeln die Frage nach den Spuren und Möglichkeiten eines Raums jenseits des Sichtbaren.

Anya Triestram, geboren 1977 im Eichsfeld, Thüringen, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seit 2015 arbeitet sie als Senior Artist als künstlerische und technische Leiterin für Holz- und Linolschnitt an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Sie lebt und arbeitet in Leipzig und Wien.

Anya Triestram entwickelt ein Werk, das sich mit den Beziehungen zwischen Dingen, Formen und Bildstrukturen auseinandersetzt. Ihre Arbeiten entstehen häufig aus Beobachtungen von Pflanzen, Objekten oder räumlichen Situationen, die jedoch nicht als konkrete Darstellungen im Zentrum stehen. Vielmehr dienen sie als Ausgangspunkt für Untersuchungen von Wiederholung, Verschiebung und Differenz.

Charakteristisch für Anya Triestrams Praxis ist die serielle Organisation des Bildraums. Einzelne Formen und Motive erscheinen in Variationen, oder werden in neue Zusammenhänge gestellt. Dabei richtet sich das Interesse weniger auf das isolierte Objekt als auf die Beziehungen, die sich zwischen den dargestellten Elementen ergeben. Bedeutung entsteht in den Zwischenräumen: durch Wiederholung und Abweichung oder durch die Spannung zwischen Ordnung und Auflösung.
Die Arbeiten bewegen sich zwischen gegenständlicher Referenz und abstrakter Struktur. Natürliche und künstliche Formen werden auf ihre grundlegenden visuellen Eigenschaften hin untersucht und in Systeme überführt, die sowohl an biologische Wachstumsprozesse als auch an konstruktive Ordnungen erinnern. Die einzelnen Elemente bleiben dabei eigenständig, sind jedoch stets Teil eines größeren Gefüges.

In Zeichnungen, Druckgrafiken und raumbezogenen Installationen entwickelt Triestram eine Bildsprache, die sich weniger auf narrative Inhalte als auf Prozesse der Wahrnehmung konzentriert. Ihre Arbeiten thematisieren die Art und Weise, wie Zusammenhänge hergestellt werden und wie sich Formen gegenseitig bedingen. Die Möglichkeiten der Druckgrafik – Wiederholung, Variation und Verschiebung – nutzt sie dabei nicht primär zur Vervielfältigung eines Motivs, sondern als Instrument zur Untersuchung von Differenz und Beziehung.

Christian Hutzinger, geboren 1966 in Wien, lebt und arbeitet in Wien. Er studierte Malerei an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Adolf Frohner. Sein Werk umfasst Malerei, Zeichnung, Collage sowie installative und raumbezogene Arbeiten. Seit den frühen 1990er-Jahren werden seine Arbeiten im In- und Ausland gezeigt, seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.

Ausgangspunkt der Arbeitsweise von Christian Hutzinger sind meist klare visuelle Elemente wie geometrische Formen, fragmentierte Architekturen oder Alltagsbeobachtungen. Diese werden nicht als feste Motive verstanden, sondern als variables Material, das in unterschiedlichen Zusammenhängen neu organisiert wird.

Im Zentrum steht das fortlaufende Verschieben, Kombinieren und Reduzieren von Bildinformationen. Zeichnung, Malerei und Collage sind dabei eng miteinander verbunden und werden als gleichwertige Felder eines gemeinsamen Prozesses eingesetzt. Entscheidungen entstehen sowohl aus systematischen Setzungen als auch aus situativen Eingriffen während der Arbeit am Bild.

Raumbezogene Arbeiten entwickeln sich in direkter Auseinandersetzung mit der jeweiligen architektonischen Situation. Vorhandene Strukturen wie Wandflächen, Kanten oder Öffnungen werden in die Gestaltung einbezogen und dienen als Bezugspunkte für malerische Setzungen. Bild und Raum werden dabei als zusammenhängendes System behandelt.

Die Arbeiten zeichnen sich durch klare formale Strukturen aus, die bewusst offen gehalten werden. Diese Offenheit ist eng mit dem Prinzip der bewussten Leerstelle verbunden: Auslassungen, Unterbrechungen oder nicht ausgeführte Bildbereiche bleiben als aktive Elemente im visuellen Gefüge präsent und strukturieren die Wahrnehmung mit.

Tom Marseiler, geboren in 1989, Bozen/Südtirol, Italien, lebt und arbeitet in Linz. Nach der Meisterklasse für Keramische Formgebung an der Ortweinschule Graz (2019–2021) studiert er Plastische Konzeption/Keramik an der Kunstuniversität Linz, wo er sich nach dem Bachelor (2025) derzeit im Masterstudium befindet. Zu seinen Auszeichnungen zählen das Ausstellungsstipendium der Akademie Graz (2022) sowie das Leistungsstipendium der Kunstuniversität Linz (2024). 2026 ist er Teilnehmer einer Residency am Taipei City Yingge Ceramics Museum in Taiwan.

Marseilers künstlerische Praxis bewegt sich an der Schnittstelle von spekulativer Fiktion und materieller Transformation. In seinen Arbeiten entwickelt er hybride skulpturale Anordnungen, die architektonische Fragmente, keramische Formen und industrielle Fundstücke zu offenen Systemen verdichten. Die Werke wirken wie Relikte unbekannter Infrastrukturen oder Modelle einer möglichen Zukunft, in denen organische und technologische Prozesse miteinander verwoben sind.
Im Zentrum seines Interesses stehen dabei weniger die einzelnen Objekte als die Beziehungen, die sie zueinander eingehen. Verbindende Elemente, Übergänge und Leerstellen strukturieren die Arbeiten und bilden jene Bereiche, in denen Bedeutung entsteht. Die Zwischenräume fungieren als aktive Zonen der Spannung und Projektion; sie verbinden die einzelnen Bestandteile zu Gefügen und eröffnen Assoziationsräume, die sich einer eindeutigen Lesbarkeit entziehen. Keramische Körper treten mit Rohren, technischen Fragmenten und gefundenen Materialien in einen Dialog, der Fragen nach Vernetzung, Abhängigkeit und Veränderung aufwirft.

Marseilers Skulpturen bewegen sich zwischen technischer Präzision und organischer Mutation. Als offene räumliche Gefüge verbinden sie keramische, industrielle und gefundene Elemente zu vielschichtigen Konstellationen, in denen Leerstellen ebenso bedeutend sind wie Materialität. So entstehen Arbeiten, die Prozesse der Transformation sichtbar machen und mögliche Beziehungen zwischen natürlichen, technologischen und spekulativen Wirklichkeiten herstellen.

The concept of interspace, and what lies within it, refers to a realm that defies immediate definition. Interspaces are often understood as empty spaces—as that which is not yet occupied or shaped. The works shown in this exhibition, however, define them as active zones of perception. They structure relationships, generate tension, and enable both proximity and distance.

The works of Anna Maria Krenn, Anya Triestram, Christian Hutzinger, and Tom Marseiler encounter one another in this openness. Despite their differing approaches, they share an interest in condensation through reduction, in the efficacy of the inconspicuous ‚emptiness,‘ and in a form of presence that arises not from assertion but from attentiveness.

In Japanese aesthetics, Ma is a central concept. It describes the consciously designed „interspace“—that which is not visible or unfilled. Unlike the Western understanding of emptiness as absence or lack, Ma conceives of empty space as a meaning-bearing element. Only through it do things enter into relationships with one another and unfold their effect.

In art, architecture, music, and everyday life, Ma manifests itself in pauses, silence, and intervals. These deliberately placed gaps open up space for the viewer or listener to develop their own perceptions and interpretations. Ma thus describes not the absence of content, but a particular form of presence: the negative space that connects objects, emphasizes their individuality, and creates tension—it follows no strict symmetry, but a dynamic balance that differs from the often geometrically ordered concepts of European Minimalism.

The interstitial space itself—neither empty nor passive—becomes a field in which connections can be made, associations formed, and new relationships between artwork, space, and viewer can unfold.

Artists

Andrea Maria Krenn, born in 1974 in Tittling, Germany, lives and workes in Vienna since 2005.
After completing a ceramics apprenticeship at the State Ceramics School in Landshut, she studied painting and graphic arts at the University of Art and Design Linz under Ursula Hübner, graduating with distinction in 2004. She then pursued further studies with Heimo Zobernig in the Textual Sculpture class, followed by teacher training at the Institute for Art and Design (IKL) of the Academy of Fine Arts Vienna from 2017 to 2020 (BEd Art & Design / Technology & Design).

In addition to her artistic practice, Krenn has also worked as a curator, including for the exhibition series „unORTnung“ and for the KÖR and district project at Fritz-Grünbaum-Platz, which featured the winning project „Revue“ by Wendelin Pressl. She was also a member of the artists‘ collective „copyshop.“
Her work has been recognized with numerous awards, grants, and acquisitions by art collections, including the City of Linz’s Talent Promotion Prize, a residency at the Cité Internationale des Arts in Paris, and the Austrian State Scholarship for Fine Arts. Her works have been featured in solo and group exhibitions in cities including Vienna, Berlin, Leipzig, Paris, and Budapest.

At the heart of Andrea Maria Krenn’s artistic practice lies the exploration of architectural and poetic spaces, as well as states of reduction, emptiness, absence, and silence. Through subtle material arrangements, layering, and condensations, she creates spaces where fragility, memory, and imagination intertwine. Her works oscillate between order and dissolution, exploring the traces and possibilities of a space beyond the visible.

Anya Triestram, born in 1977 in Eichsfeld, Thuringia, studied at the Academy of Visual Arts Leipzig. Since 2015, she has worked as a Senior Artist and Artistic and Technical Director for woodcut and linocut at the University of Applied Arts Vienna. She lives and works in Leipzig and Vienna.

Her works often originate from observations of plants, objects, or spatial situations, which, however, are not the focus as concrete representations. Rather, they serve as a starting point for investigations into repetition, displacement, and difference.

Characteristic of Anya Triestram’s practice is the serial organization of pictorial space. Individual forms and motifs appear in variations or are placed in new contexts. The focus is less on the isolated object than on the relationships that emerge between the depicted elements. Meaning arises in the spaces between: through repetition and deviation, or through the tension between order and dissolution.
The works move between representational reference and abstract structure. Natural and artificial forms are examined for their fundamental visual properties and transformed into systems that evoke both biological growth processes and constructive orders. The individual elements remain independent, yet are always part of a larger structure.

In her drawings, prints, and site-specific installations, Triestram develops a visual language that focuses less on narrative content than on processes of perception. Her works explore how connections are established and how forms mutually influence one another. She uses the possibilities of printmaking—repetition, variation, and displacement—not primarily to reproduce a motif, but as an instrument for investigating difference and relationship.

Christian Hutzinger, born in Vienna in 1966, lives and works in Vienna. He studied painting at the University of Applied Arts Vienna under Adolf Frohner. His work encompasses painting, drawing, collage, as well as installation and site-specific works. Since the early 1990s, his work has been exhibited both nationally and internationally, and his pieces are held in numerous public and private collections.

The starting point for Christian Hutzinger’s working method is usually clear visual elements such as geometric forms, fragmented architectural structures, or everyday observations. These are not understood as fixed motifs, but rather as variable material that is reorganized in different contexts.

At the heart of his work is the continuous shifting, combining, and reducing of visual information. Drawing, painting, and collage are closely intertwined and used as equally important fields within a shared process. Decisions arise both from systematic choices and from situational interventions during the creation of the artwork.

Site-specific works develop in direct engagement with the respective architectural context. Existing structures such as wall surfaces, edges, or openings are incorporated into the design and serve as reference points for painterly interventions. Image and space are treated as a cohesive system.

The works are characterized by clear formal structures that are deliberately kept open. This openness is closely linked to the principle of deliberate emptiness: omissions, interruptions, or unexecuted areas of the image remain present as active elements within the visual composition and contribute to structuring perception.

Tom Marseiler, born 1989 in Bolzano/South Tyrol, Italy, lives and works in Linz, Austria. After completing the master class in ceramic design at the Ortweinschule Graz (2019–2021), he studied sculptural conception/ceramics at the University of Art and Design Linz, where he is currently pursuing a master’s degree after receiving his bachelor’s degree (2025). His awards include an exhibition grant from the Academy of Fine Arts Graz (2022) and a merit-based scholarship from the University of Art and Design Linz (2024). In 2026, he participated in a residency at the Taipei City Yingge Ceramics Museum in Taiwan.

Marseiler’s artistic practice lies at the intersection of speculative fiction and material transformation. In his work, he develops hybrid sculptural arrangements that condense architectural fragments, ceramic forms, and industrial found objects into open systems. The works appear as relics of unknown infrastructures or models of a possible future in which organic and technological processes are interwoven.

His focus is less on the individual objects than on the relationships they form with one another. Connecting elements, transitions, and gaps structure the works and create the spaces where meaning emerges. The interstices function as active zones of tension and projection; they connect the individual components into structures and open up spaces of association that defy clear interpretation. Ceramic bodies enter into a dialogue with pipes, technical fragments, and found materials, raising questions about interconnectedness, dependence, and change.

Marseiler’s sculptures move between technical precision and organic mutation. As open spatial structures, they combine ceramic, industrial, and found elements into multifaceted constellations in which gaps are as significant as materiality. The result is works that make processes of transformation visible and establish potential relationships between natural, technological, and speculative realities.